Gründung und Franchising

Beispiel einer kurzfristigen Finanzplanung

Beispiel einer kurzfristigen Finanzplanung

Umsatzerlösplanung
Im Umsatzerlösplan werden sämtliche voraussichtlichen Zahlungsrückflüsse aus geplanten Warenverkäufen erfasst. Zweckmäßig ist die Unterteilung in einzelne Produktgruppen oder detaillierter in einzelne Produkte. Für unser Beispiel genügt eine Grobunterteilung in Produktgruppen, um die Systematik verständlich zu machen. Da die kurzfristige Finanzplanung ein Jahr nicht übersteigen sollte, wird die Planübersicht in zwölf Monatsspalten unterteilt, um die Aussagefähigkeit zu erhöhen. In die einzelnen Monatsspalten werden dann die auf jeden Monat entfallenden Umsätze jeder Produktgruppe eingetragen. Da zu Beginn der selbstständigen Tätigkeit keine Erfahrungswerte aus vergangenen Wirtschaftsperioden über die Nachfragehäufigkeit einzelner Produkte beziehungsweise Produktgruppen vorliegen, sollten neben Schätzungen auch Daten vergleichbarer Unternehmen mit eingebracht werden. Liegen bereits Branchenkenntnisse des Gründers vor, so ist die Planung natürlich wesentlich einfacher durchzuführen.

In unserem Beispiel auf der folgenden Seite werden für die

  • Produktgruppe A die günstigsten Umsatzerwartungen unterstellt (50 Prozent am Gesamtumsatz),
  • gefolgt von der Produktgruppe B mit 30 Prozent,
  • der Produktgruppe C mit 10 Prozent und
  • den Produktgruppen D und E mit jeweils 5 Prozent.


Der Gesamtumsatz der Produktgruppen A, B, C, D und E muss anteilig – je nach Umsatzerwartung in den einzelnen Planmonaten – aufgeteilt werden.Entwicklung der Umsätze in den einzelnen PlanmonatenWie aus dem Umsatzerlösplan zu ersehen ist, wird mit einem langsamen Anlaufen der Umsatztätigkeit gerechnet, da der Aufbau eines Kundenstammes und die laufende Gewinnung neuer Kunden eine in der Regel langwierige und langfristige Angelegenheit ist; größere Umsätze lassen sich erst nach einer längeren Anlaufzeit realisieren. Ebenso müssen bei der Planung saisonale Schwankungen in der Umsatzentwicklung mit berücksichtigt werden. So hat ein Großteil der Branchen mit den sogenannten Sommerloch zu kämpfen, das besonders in den Monaten Juli/August zu erheblichen Umsatzrückgängen führen kann. Im Gegensatz dazu werden in vielen Branchen in den Monaten November/Dezember (Vorweihnachts- und Weihnachtgeschäft) im Verhältnis zu den übrigen Monaten überproportional hohe Umsätze erzielt.



Beispiel: Umsatzerlösplan (in Tausend Euro)
Pro-
dukt
J F M A M J J A S O N D Sum-
me
A 1,0 2,0 4,0  5,0  8,0  8,0 2,0 2,0 8,0 10,0 20,0 30,0 100,0
B 0,6 1,2 2,4  3,0  4,8  4,8 1,2 1,2 4,8  6,0 12,0 18,0   60,0
C 0,2 0,4 0,8  1,0  1,6  1,6 0,4 0,4 1,6  2,0  4,0  6,0   20,0
D 0,1 0,2 0,4  0,5  0,8  0,8 0,2 0,2 0,8  1,0  2,0  3,0   10,0
E 0,1 0,2 0,4  0,5  0,8  0,8 0,2 0,2 0,8  1,0  2,0  3,0   10,0
Sum-
me
2,0 4,0 8,0 10,0 16,0 16,0 4,0 4,0 16,0 20,0 40,0 60,0 200,0

Ausgabenplanung
Im Ausgabenplan werden sämtliche betriebsbedingten Ausgaben festgehalten. Sie sind in die entsprechende Monatsspalte gemäß dem voraussichtlichen Fälligkeitstermin nach Kostenarten einzutragen. In unserem Ausgabenplan werden folgende Kostenarten aufgeführt, die für jedes Unternehmen mehr oder weniger von Bedeutung sind:

Gehälter sind fixe Kosten, die durch tarifrechtliche Vereinbarungen bestimmt sind und über einen längeren Zeitraum unverändert bleiben. Sie können in der Kostenplanung mit gleich bleibenden Beträgen erfasst werden. In unserer Ausgabenplanung ist ein Mitarbeiter mit einem monatlichen Gehalt von 2.000 Euro vorgesehen.

Sozialabgaben sind ebenfalls gesetzlich geregelt und von der Einkommenshöhe abhängig. Sozialabgaben sind: Kranken-, Renten-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherungsbeiträge. 400 Euro entsprechen dem AG-Anteil an der Sozialversicherung. Der AN-Anteil ist in den 2.000 Euro Bruttogehalt enthalten.

Wareneinsatz:
Der Wareneinsatz ist von der Umsatzhöhe abhängig, das heißt, er ist in seiner Höhe variabel. In unserem Ausgabenbeispiel wird ein Wareneinsatz von 50 Prozent vom geschätzten Jahresumsatz (200.000 Euro) eingeplant. Die zeitliche Zuordnung des Warenbezugs auf die einzelnen Planmonate entsprechend ihrer voraussichtlichen Zahlungsfälligkeit ist im Gründungsjahr besonders schwierig und kann nur geschätzt werden, da dem Gründer Erfahrungswerte aus vergangenen Planperioden fehlen. Der einzige Wert, der annähernd bekannt ist, ist die Ausgabenhöhe für die erste Warenausstattung. In unserem Kapitalbedarfsplan werden hierfür 40.000 Euro angesetzt, die durch öffentliche Finanzierungshilfen weitgehen abgedeckt werden sollten. Aufbauend auf die erste Warenausstattung, dürfen die Wareneinkäufe für die folgenden Umsatzmonate nur Nachbestellungen oder Sortimentsergänzungen für das bereits vorhandene Warensortiment sein. Es werden in den Planmonaten Februar bis August nur geringe Ausgaben für Wareneinkäufe beziehungsweise Warennachbestellungen angesetzt.

Mieten
: Mieten sind – ebenso wie Personalkosten – fixe Kosten, die in der Planung als gleich bleibende Beträge eingesetzt werden können.

Steuern
: Unter dieser Rubrik wird vorerst nur die Kfz-Steuer für betrieblich genutzte Fahrzeuge eingetragen. Sonstige betriebsbedingte Steuern, wie die Gewerbesteuer, bleiben im Gründungsjahr noch unberücksichtigt, da diese vom Unternehmensertrag ermittelt werden.

Versicherungen
können in gleicher Höhe erfasst werden, da sich die Prämien über einen längeren Zeitraum nicht verändern werden.

Zinsen/Tilgung: Hier werden nur Zinsen für eingeplante Kredite eingetragen, da die Tilgung der öffentlichen Darlehen in der Regel erst ab einigen Jahren einsetzt und nur der Kreditzins im ersten Jahr fällig wird. Im Ausgabenplan werden die Zinsen vierteljährlich erfasst. Um die Zinsbelastung durch den relativ teuren Kontokorrentkredit zu senken, sollte neben den ständigen Zahlungseingängen auf dem Kontokorrentkonto ein in Anspruch genommener Kontokorrentkredit ständig durc Sonderzahlungen auf das Geschäftskonto nach und nach zurückgeführt werden.

Investitionen
: Bevor ein Unternehmen eröffnet wird, muss anhand eines Kapitalbedarfsplans festgestellt werden, welche Güter für das Anlage- und Umlaufvermögen benötigt werden. Die hierfür entstehenden Investitionsausgaben müssen ebenfalls im Ausgabenplan festgehalten werden. Unser Beispiel sieht vor, dass diese Ausgaben im Planmonat Januar anfallen werden:

Maschinen                        5.000 Euro
Büroeinrichtung             10.000 Euro
Ladeneinrichtung          20.000 Euro
Kraftfahrzeug                  15.000 Euro
------------------------------------------------
Investitionssumme       50.000 Euro

Sonstige Ausgaben: Unter dieser Rubrik können alle Ausgaben zusammengefasst werden, die unter den anderen Kostenarten nicht aufgeführt sind; so zum Beispiel Leasinggebühren, die sogenannten Anlaufkosten für die Eröffnungswerbung, Mietkautionen, Notargebühren, Beratungshonorare und anderes.

Liquiditätsplanung
Um den Geschäftsbetrieb eines Unternehmens aufrechterhalten zu können, müssen ständig kurzfristig verfügbare Geldmittel vorhanden sein, um Lieferantenrechnungen, Gehälter, Mieten usw. fristgemäß bezahlen zu können. Damit dies gewährleistet ist, ist die ständige Überwachung der Zahlungsfähigkeit grundsätzlich wichtig. Wichtigstes Hilfsmittel hierfür ist, wie bereits mehrmals angemerkt, die Liquiditätsrechnung, die voraussichtliche Einnahmen und Ausgaben in ihrer Fristigkeit und Höhe ermittelt.

A: Liquide Mittel
Hier werden bereits vorhandene, „flüssige“ Mittel eingetragen. Ein Kassenbestand ist nicht ausgewiesen. Dagegen wird ein Bank- und Postbankguthaben von 10.000 Euro eingetragen.

B: Einnahmen
Unter diese Rubrik werden sämtliche voraussichtlichen Einnahmen erfasst, die sich aus Warenverkäufen ergeben, und voraussichtlich verfügbare Darlehen, die für Gründungsausgaben und zur Deckung der laufenden Ausgaben vorgesehen sind. Ebenso werden unter „Privateinzahlungen“ Einlagen erfasst, die aus dem Privatvermögen des Gründers kommen, und unter „Sonstige Einnahmen“ alle Vermögenswerte, die als außerordentliche Einnahmen anzusehen sind (zum Beispiel Nebeneinkünfte). In einer Gründungsbilanz (siehe unten) wird von einem Kapitalbedarfsvolumen von 100.000 Euro ausgegangen. Es setzt sich aus dem Anlagevermögen (Büro- und Ladeneinrichtung, Maschinen, Kraftfahrzeug), der ersten Warenausstattung und den Anlaufkosten zusammen. Dabei zeigt die Gegenüberstellung des Kapitalbedarfs und der zur Deckung benötigten Finanzierungsmittel auch, aus welchen Quellen die Mittel bezogen und wie sie verwendet werden können. Dies geschieht am zweckmäßigsten in einer Gründungsübersicht, wie sie unten dargestellt ist.


Gründungsbilanz (in Euro)
Kapitalbedarf Finanzierung
Anlagevermögen Eigenmittel
Maschinen    5.000           Eigene Mittel (15%)  15.000
Büroeinrichtung  10.000 Unternehmerkapital (25%)  25.000
Ladeneinrichtung  20.000 (Kapital für Gründung)
Kraftfahrzeug  15.000
Umlaufvermögen Fremdmittel
Waren  40.000 Unternehmerkredit (25%)  25.000
Betriebsmittel  10.000 Landes-Gründungsdarlehen (10%)  10.000
Kontokorrentkredit der Hausbank (25%)  25.000
Summe 100.000 Summe 100.000


In unserer Planung werden die im Finanzierungsplan ausgewiesenen öffentlichen Gründungsdarlehen (zusammen 35.000 Euro) unter „Darlehen“ eingetragen, und Eigenmittel, die zur Gründungsfinanzierung benötigt werden, unter der Rubrik „Privateinzahlungen“ (15.000 Euro). Um eine „optische“ Trennung von Fremdkapital (Unternehmerkredit, Landes-Gründungsdarlehen) und dem Unternehmerkapital (ERP-Kapital für Gründung), das von der Haftungsseite her gesehen wie Eigenkapital behandelt wird, zu erreichen, wird das Unternehmerkapital unter „Sonstige Einnahmen“ aufgeführt.

C: Verfügbare Mittel
Liquide Mittel („A“) und Einnahmen („B“) addiert ergeben die voraussichtlichen gesamtverfügbaren Mittel, die zur Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes vorhanden sein sollten. Die gesamten Einnahmen aus dem betrieblichen und privaten Bereich müssen den Gesamtausgaben aus der Betriebs- und Privatsphäre gegenübergestellt werden.

D: Ausgaben
Den Gesamteinnahmen stehen Gesamtausgaben gegenüber, die durch ausreichende Geldzuflüsse gedeckt sein müssen, um so nicht kurzfristig in einen Liquiditätsengpass zu geraten. Unter „Ausgaben“ werden die laufenden Kosten eines Unternehmens in ihrer monatlichen Fristigkeit aufgeführt, ebenso Tilgungsrückführung für Darlehen. Unter der Rubrik „Privatentnahmen“ schließlich tragen Sie den sogenannten kalkulatorischen Unternehmerlohn – ein, das heißt, die Entnahmen für private Zwecke (Lebensunterhalt, Miete für Privatwohnung, Rücklagen für Einkommensteuernachzahlungen usw.).

In unserem Beispiel wird in den ersten sechs Monaten keine Privatentnahme vorgenommen, da unterstellt wird, dass ausreichende finanzielle Reserven zur Absicherung von privaten Zahlungsverpflichtungen vorhanden sind. Ab dem Planungsmonat Juli muss so viel Umsatz gemacht werden, dass Privatentnahmen (in unserem Beispiel 6.000 Euro monatlich) aus den Unternehmenserträgen möglich sind.

E: Gesamtausgaben
Betriebliche Ausgaben und Privatentnahmen ergeben zusammen die Gesamtausgaben innerhalb einer Planperiode. Sie werden den gesamtverfügbaren Mitteln („C“) gegenübergestellt. Zieht man nun die Gesamtausgaben („E“) ab, so lässt sich leicht feststellen, ob noch ausreichend Liquidität zur Bildung von Eigenkapital vorhanden sein wird. In unserer Planungsrechnung liegt voraussichtlich nur in den Monaten Januar und Oktober eine Unterdeckung der Gesamtausgaben vor. Am Jahresende wird voraussichtlich ein Überschuss von 25.100 Euro übrig bleiben.

F: Überdeckung/Unterdeckung
Wie bereits festgestellt, ergibt die Gegenüberstellung von Gesamteinnahmen und Gesamtausgaben in den Monaten Januar und Oktober einen Fehlbetrag, der durch den Einsatz des Kontokorrentkredits kurzfristig ausgeglichen werden kann. Von der zuständigen Hausbank wird voraussichtlich ein Kontokorrentkredit über 25.000 Euro eingeräumt, der zur teilweisen Deckung der Ausgaben eingesetzt werden sollte. In unserer Liquiditätsrechnung bleibt ein Liquiditätsüberschuss von 5.200 Euro (Januar) übrig. Aus Gründen der Fortschreibungssystematik von Planmonat zu Planmonat ist es sinnvoll, die so ermittelte Liquidität unter „Bank- und Postbankguthaben“ des Folgemonats zu übertragen.

 

Liquiditätsplan - 1. Halbjahr (in Tausend Euro)
J F M A M J
A: Liquide Mittel
Kassenbestand - - - - - -
Bank- und Postbankgutgaben  10,0 5,2  2,6  3,1  5,7 13,0
Summe  10,0 5,2  2,6  3,1  5,7 13,0
B: Einnahmen
Umsatzerlöse   2,0 4,0  8,0 10,0 16,0 16,0
Darlehen  35,0 - - - - -
Privateinzahlungen  15,0 - - - - -
Sonstige Einnahmen  25,0 - - - - -
Summe  77,0 4,0  8,0 10,0 16,0 16,0
C: Verfügbare Mittel (A+B)  87,0 9,2 10,6 13,1 21,7 29,0
D: Ausgaben
Gehälster/Löhne   2,0 2,0  2,0  2,0  2,0  2,0
Sozialabgaben   0,4 0,4  0,4  0,4  0,4  0,4
Waren  40,0 0,5  0,5  1,0  1,5  1,5
Mieten   2,0 2,0  2,0  2,0  2,0  2,0
Verwaltung   1,0 0,5  0,5  0,8  1,2  1,0
Steuern - -  0,1 - -  0,1
Versicherungen   0,2 0,2  0,2  0,2  0,2  0,2
Zinsen - -  1,1 - -  1,1
Tilgung - - - - - -
Sonstige Ausgaben  10,0 - - - - -
Zwischensumme  56,8 6,6  7,5  7,4  8,7  9,8
Investitionen  50,0 - - - - -
Privatentnahmen - - - - - -
E: Gesamtausgaben 106,8 6,6  7,5  7,4  8,7  9,8
F: (+) Überdeckung - 2,6  3,1  5,7 13,0 19,2
F: (-) Unterdeckung  19,8 - - - - -
G: Ausgleich durch Kontokorrentkredit  25,0 - - - - -
H: Liquidität   5,2 2,6  3,1  5,7 13,0 19,2
I: Fehlbetrag - - - - - -

 

 

Beispiel: Liquiditätsplan - 2. Halbjahr (in Tausend Euro)
J A S O N D
A: Liquide Mittel
Kassenbestand - - - - - -
Bank- und Postbankguthaben 19,2 11,6  4,0  0,5 -  8,9
Summe 19,2 11,6  4,0  0,5 -  8,9
B: Einnahmen
Umsatzerlöse  4,0  4,0 16,0 20,0 40,0 60,0
Darlehen - - - - - -
Privateinzahlungen - - - - - -
Sonstige Einnahmen - - - - - -
Summe  4,0  4,0 16,0 20,0 40,0 60,0
C: Verfügbare Mittel (A+B) 23,2 15,6 20,0 20,5 40,0 68,9
D: Ausgaben
Gehälter/Löhne  2,0  2,0  2,0  2,0  2,0  2,0
Sozialabgaben  0,4  0,4  0,4  0,4  0,4  0,4
Waren  0,5  0,5  6,0  8,0 15,0 25,0
Mieten  2,0  2,0  2,0  2,0  2,0  2,0
Verwaltung  1,0  0,5  0,5  0,8  1,2  1,0
Vertrieb  0,3  0,3  0,9  2,0  3,0  4,0
Steuern - -  0,1 - -  0,1
Versicherungen  0,2  0,2  0,2  0,2  0,2  0,2
Zinsen - -  1,1 - -  1,1
Tilgung - - - - - -
Sonstige Ausgaben - - - - - -
Zwischensumme  5,6  5,6 13,5 16,1 25,1 37,8
Investitionen - - - - - -
Privatentnahmen  6,0  6,0  6,0  6,0  6,0  6,0
E: Gesamtausgaben 11,6 11,6 19,5 22,1 31,1 43,8
F: (+) Überdeckung 11,6  4,0  0,5 -  8,9 25,1
F: (-) Unterdeckung - - -  1,6 - -
G: Ausgleich durch Kontokorrentkredit - - -  1,6 - -
H: Liquidität 11,6  4,0  0,5 -  8,9 25,1
I: Fehlbetrag - - - - - -

 

Liquidität als Basis für den Unternehmenserfolg
Unter Liquidität versteht man die Fähigkeit eines Unternehmens, notwendige Zahlungsverpflichtungen fristgerecht zu tätigen. Das heißt, es muss jederzeit kurzfristig verfügbares Geld für betriebliche Ausgaben dem Unternehmer beziehungsweise dem Unternehmen zur Verfügung stehen. Der Unternehmer muss stets in der Lage sein, seine Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen.

Die Zahlungsfähigkeit ist eine Grundvoraussetzung für die Existenzerhaltung beziehungsweise Existenzsicherung. Das trifft in besonderem Maße auf neu gegründete Unternehmen zu, die sehr oft noch nicht die zur Sicherung der Existenz notwendigen Eigenmittel erwirtschaftet haben und für den kurzfristigen Zahlungsausgleich der Verbindlichkeiten auf fremde Geldmittel (Kredite, Lieferantenkredite) zurückgreifen müssen.

Um die kurzfristige Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens ersichtlich zu machen, muss ein Liquiditätsplan, der die gesamten verfügbaren Mittel und gesamten Ausgaben gegenüberstellt, ausgearbeitet werden, um so sicherzustellen, dass keine Fehlbeträge (Unterdeckung) in der Einnahmen-und-Ausgaben-Struktur des Unternehmens den Unternehmensbestand gefährden.

Um einen Überblick über die Geldmittel eines Unternehmens zu erhalten und um die Liquiditätslage untersuchen zu können, werden die Vermögenswerte eines Unternehmens formal wie folgt geordnet:

Liquidität 1. Ordnung:
Zu ihr gehören Vermögensteile, die unmittelbar für Zahlungen verwendet werden können. Dazu gehören im Wesentlichen Kassenbestände, Bank- und Postbankguthaben, Schecks, diskontfähige Wechsel und Wertpapiere.

Liquidität 2. Ordnung:
Bei der Liquidität zweiter Ordnung kommen zu den oben genannten Vermögensteilen noch leicht verkäufliche Wertpapiere, Forderungen aus Warenlieferungen und nicht diskontierbare Wechsel und Wertpapiere (Aktien, Anleihen) hinzu. Das sind Vermögensteile, die nicht gleich zur Zahlung verwendet werden, jedoch leicht verflüssigt werden können.

Liquidität 3. Ordnung:
Bei der Liquidität dritter Ordnung kommen noch die gesamten Roh-, Hilfs- und Betriebs- sowie fertigen und unfertigen Erzeugnisse hinzu. Nicht einbeziehen darf man den „eisernen“ Bestand an Materialien und das notwendige Anlagevermögen.

Reichen die flüssigen Mittel nicht aus, um kurzfristig fällige Verbindlichkeiten begleichen zu können, so kommt das Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten, die eventuell eine kostspielige Umfinanzierung zur Folge haben können. Ist die Umfinanzierung nicht möglich, so bleibt nur – falls vorhanden – die Verflüssigung von Vermögensteilen oder die Aufnahme von Gesellschaftern, um die finanzielle Situation, und damit die Liquidität, zu verbessern.

Ein kritischer Zeitpunkt für jedes Unternehmen ist das dritte Jahr nach der Unternehmensgründung. In diesem Jahr rutschen viele Unternehmen in die Liquiditätsfalle. Eine Pleite ist oft die Folge.

Folgende Probleme und Engpässe können sich ergeben:

  • Das erste Geschäftsjahr wird in der Regel mit Verlust abgeschlossen.
  • Im zweiten Jahr wird die Bilanz beziehungsweise Einnahmen-Ausgaben-Rechnung für das erste Geschäftsjahr erstellt. Aufgrund des Verlustes im Gründungsjahr werden vom Unternehmer keine Steuern bezahlt.
  • Im dritten Jahr wird die Bilanz für das zweite Geschäftsjahr erstellt. Wenn im zweiten Geschäftsjahr ein Gewinn ausgewiesen wird, werden Nachzahlungen für die Einkommensteuer fällig. Zusätzlich erhöhen sich die Beträge für die Einkommensteuervorauszahlung. Darüber hinaus beginnt die Tilgung für öffentliche Förderdarlehen.

Im dritten Jahr nach der Existenzgründung entstehen, aufgrund der oben genannten Entwicklung, sprunghafte Ausgaben, die unbedingt vorausschauend mit eingeplant werden müssen, um nicht in eine Liquiditätsfalle zu tappen. Das Zusammentreffen von Tilgungsleistung und Einkommensteuerzahlung beziehungsweise -vorauszahlung verursacht Ausgaben, die sehr oft aus den laufenden Einnahmen nicht gedeckt werden können. Beziehen Sie deshalb diese Belastungen in Ihre mittelfristige Planung mit ein, um rechtzeitig gegensteuern zu können.

Wichtig ist demnach

  • Das Anlegen finanzieller Reserven
  • Vereinbarungen mit der Bank zu treffen, den Kreditrahmen bei Bedarf kurzfristig aufstocken zu können.
  • Ausloten, welche Geldgeber noch infrage kommen könnten, um den zu erwartenden Kapitalengpass ausgleichen zu können.

Grundlage hierfür ist eben auch, einen Liquiditätsplan zu erstellen, der die regelmäßige Überwachung von Einnahmen und Ausgaben übersichtlich darstellt. Die permanente Kontrolle der Finanzen ist Grundlage für Ihre ständige Zahlungsfähigkeit.


Tipps, wie Sie die Liquidität erhalten und verbessern

Ausgabenkontrolle
Eindeutige Prioritäten für Ausgaben festlegen, ohne den normalen Geschäftsbetrieb dadurch einzuengen! Durch eine exakte Ausgabenkontrolle die Kosten in den Griff bekommen, denn Gewinne werden nicht nur über höhere Umsätze erzielt, sondern sind immer mehr von der Kostenhöhe abhängig.

Privatentnahmen
Passen Sie die Privatentnahmen an die Ertragskraft des Unternehmens an. Die Privatentnahmen sollten in einem vertretbaren Verhältnis zum erwirtschafteten Gewinn stehen. Laufend überhöhte Entnahmen gefährden den Bestand des Unternehmens und gehören mit zu den häufigsten Insolvenzursachen.

Einkauf
„Schon beim Einkauf beginnt der Gewinn.“ Dies muss besonders dann beachtet werden, wenn Umsätze aufgrund der Wettbewerbssituation, Wirtschaftslage usw. nicht nachhaltig erhöht werden können. Es sollten Angebote von verschiedenen Lieferanten eingeholt, Rabattsätze durch größeren Mengenbezug erhöht und neue Einkaufsquellen ausfindig gemacht werden.

Investitionen
Verschieben von nicht unbedingt notwendigen Investitionen auf einen anderen Zeitpunkt, der aufgrund der Ertragslage beziehungsweise Liquiditätssituation die Investitionen zulässt. Leasing prüfen!

Leasing
Die Möglichkeiten prüfen, Wirtschaftsgüter zu leasen, statt zu kaufen! Leasing bietet gegenüber dem Kauf einige wichtige Vorteile: Die Liquidität wird durch eine zu starke Kapitalbindung nicht geschälert, das Kreditlimit bei der Bank bleibt erhalten, fest vorgegebene Mietraten schaffen eine gleich bleibende Grundlage für die Kosten- und Liquiditätsrechnung. Nachteil ist darin zu sehen, dass Leasing eine relativ teure Finanzierungsform ist.

Kreditaufnahme
Die Kreditaufnahme sollte gut durchdacht sein. Eine zu „sorglose“ Aufnahme eines Kredites für Investitionsvorhaben, dessen Verwendung nicht den gewünschten Erfolg nach sich zieht, kann das Unternehmen gefährden. Die Rückzahlungsfähigkeit von Zinsen und Tilgungsbeträgen (Kapitaldienst) hat, zusammen mit den Steuerzahlungen, absolute Priorität vor anderen Ausgaben und verlangt schon deshalb einen ausreichenden Gewinn.

Zahlungsziele
„Gute“ Kunden sollten durch Zahlungsziele belohnt werden. Die Gewährung von großzügigen Rabatten und Skonti sollte sich jedoch vor allem an den Gewinnaussichten orientieren.

Mahnwesen
Überwachung der noch offenen Rechnungen (offene Posten) nach Fristigkeit und Höhe! Ein gut organisiertes Mahnwesen sorgt für schnelle Liquidität. Mahnen Sie Rechnungen auch dann fristgemäß an, wenn es sich um Kunden handelt, die in der Regel ihre Rechnungen pünktlich bezahlen. Es kommt nicht selten vor, dass erst dann die Rechnung beglichen wird, wenn ein sogenanntes „Erinnerungsschreiben“ an den Kunden geschickt worden ist.

Lastschrifteinzug
Kunden, mit denen langfristige Geschäftsverbindungen bestehen, sollten für den Lastschrifteinzug der Rechnungsbeträge gewonnen werden. Damit bestimmen Sie den Zeitpunkt der Zahlungseingänge und haben somit eine exakte Grundlage für die Umsatzerlösplanung (Zahlungseingangsplanung) und die Liquiditätsplanung.

Rechnungstellung
Schicken Sie die Rechnungen nicht separat von der Warenlieferung, sondern möglichst zusammen mit der Warensendung an den Kunden. Der Kunde fühlt sich dann eher dazu verpflichtet, die Rechnung umgehend zu begleichen. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Rechnung exakte und lückenlose Angaben enthält, die eine Reklamation des Kunden ausschließen und somit Zahlungsverzögerungen verhindern.

Lagerbestände
Durch Sonderverkäufe zu hohe Lagerbestände abbauen! Achten Sie darauf, dass durch Waren, die sich nur langsam verkaufen (sogenannte Ladenhüter) nicht Kapital gebunden wird, das anderweitig verwendet wesentlich rentabler eingesetzt werden könnte. Versuchen Sie das Bestellvolumen dem voraussichtlichen Bedarf anzupassen.

Postgebühren
Portokosten sind – insbesondere bei Unternehmen, die sehr umfangreich Direktwerbung betreiben – ein großer Kostenfaktor. Informieren Sie sich deshalb genau über einschlägige Bestimmungen für Postgebühren. Bei allen Postagenturen erhalten Sie entsprechendes Informationsmaterial zu den aktuellen Gebühren auf Anfrage kostenlos.

Telefonverkauf
Versuchen Sie die Waren/Dienstleistungen per Telefon zu verkaufen – falls die Angebotspalette dazu geeignet ist. Telefonischer Verkauf ist schneller und spart Zeit, es lassen sich sehr rasch weite Entfernungen überbrücken, und er ist vor allem wesentlich kostengünstiger als der Besuch beim Kunden.

Verkauf per Nachnahme
Sollten sie die Ware per Nachnahme versenden können, so ist dies sicherlich der schnellste Weg, an Ihr Geld zu kommen. Die Ware wird vom Postboten beziehungsweise von der Spedition dem Kunden nur dann ausgehändigt, wenn dieser den Rechnungsbetrag sofort bei Auslieferung begleicht.

Liquidität, das heißt, die Fähigkeit des Unternehmers, Zahlungsverpflichtungen fristgemäß zu erfüllen, hat absoluten Vorrang vor anderen unternehmerischen Zielen wie zum Beispiel Rentabilität und Sicherheit. Dies gilt besonders während der Aufbauphase des Unternehmens. Die ständige Überwachung der Zahlungsfähigkeit ist eine der wichtigsten unternehmerischen Aufgaben.

 

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