Erfolgreich selbstständig

Die Rechtsformen im Einzelnen

Ein-Personen-Gründungen


Einzelunternehmen
Das Einzelunternehmen ist die am häufigsten anzutreffende Rechtsform. Eigentümer und Geschäftsführer sind beim Einzelunternehmen in einer Person vereint. Der Inhaber entscheidet über alle Belange, trägt aber auch alle Risiken des Einzelunternehmens.

Die Gründung des Einzelunternehmens geschieht quasi automatisch durch die Geschäftseröffnung, ohne dass es weiterer Formalitäten bedürfte. Notwendig ist lediglich, dass ein Gewerbetreibender seine Tätigkeit beim Gewerbeamt anmeldet oder der Freiberufler eine Steuernummer beim Finanzamt beantragt.

Das erforderliche Startkapital bringt der Inhaber grundsätzlich selbst auf – wie viel, das entscheidet der Gründer anhand der Gegebenheiten selbst. Gesetzliche Vorgaben gibt es keine.

Der Einzelunternehmer haftet unbegrenzt mit seinem gesamten Privatvermögen, dies im Übrigen auch nach Beendigung der gewerblichen Tätigkeit.

Unklarheit besteht bei vielen Gründungsinteressierten über die Notwendigkeit der Kaufmannseigenschaft des Gründers eines Einzelunternehmens. Grundsätzlich gilt: Das Gesetz geht in § 1 Abs. 2 Handelsgesetzbuch (HGB) davon aus, dass jeder Gewerbetreibende auch Kaufmann ist:

„Handelsgewerbe ist jeder Gewerbebetrieb, es sei denn, dass das Unternehmen nach Art oder Umfang einen in kaufmännischer Weise eingerichteten Geschäftsbetrieb nicht erfordert.“

Sind Sie Kaufmann beziehungsweise Kauffrau, so müssen Sie Ihr Einzelunternehmen in das Handelsregister eintragen lassen. Dieser Vorschrift lässt sich aber auch entnehmen, dass bei kleinen Unternehmen eine kaufmännische Einrichtung nicht erforderlich ist. Konkret bedeutet dies: Sie können, auch ohne Kaufmann oder Kauffrau zu sein – als sogenannter Kleingewerbetreibender –, ein Einzelunternehmen gründen, solange Sie eine gewisse Größe nicht überschreiten. Sobald Ihr Unternehmen jedoch an Umsätzen, Ausmaß des Geschäftsverkehrs oder der Anzahl der Mitarbeiter eine gewisse Grenze überschreitet, ist eine Eintragung in das Handelsregister notwendig. Sie übernehmen damit die Rechte und Pflichten der Kaufleute und müssen in Ihrem Firmennamen auf die Erlangung der Kaufmannseigenschaft hinweisen (zum Beispiel durch den Zusatz „eingetragener Kaufmann oder die Abkürzung e. K.). Die Kriterien dafür, wann ein Einzelunternehmen eine kaufmännische Einrichtung erfordert, sind gesetzlich nicht festgelegt, sondern werden nach den Umständen des Einzelfalls zu beurteilen sein. Als Anhaltspunkt kann gelten: Wenn Sie einen Jahresumsatz von 250.000 Euro generieren und mehr als zehn Mitarbeiter regelmäßig beschäftigen (ab dieser Grenze gilt das Kündigungsschutzgesetz!), so sind dies Anzeichen für das Vorliegen der Kaufmannseigenschaft.

Vor- und Nachteile des Einzelunternehmens: Das Einzelunternehmen ist für den ersten Auftritt am Markt äußerst attraktiv, da sowohl Gründungskosten als auch Gründungs- sowie Verwaltungsaufwand minimal sind. Ein Mindestkapital ist nicht erforderlich, die Privatentnahmen stehen im Belieben des Inhabers. Ein weiterer Vorteil ist die unbeschränkte und alleinige Leitungsbefugnis des Inhabers. Dieser Vorteil hat jedoch auch eine Kehrseite: Der Inhaber trägt die alleinige Verantwortung für alle Entscheidungen. Der größte Nachteil ist aber wohl, dass der Einzelunternehmer mit seinem gesamten Privatvermögen haftet.

Stille Gesellschaft
Die sogenannte stille Gesellschaft zählt genau genommen zu den Personengesellschaften, da sie aus mehreren Gesellschaftern besteht. Da sie jedoch in der Praxis vor allem als Erweiterung eines Einzelunternehmens relevant ist, soll Sie auch in diesem Zusammenhang erläutert werden:
Beabsichtigen Sie als Einzelunternehmer, Ihren Betrieb zu vergrößern, oder haben Sie längerfristigen Finanzierungsbedarf, der von den Banken nicht befriedigt wird, so können Sie einen stillen Gesellschafter aufnehmen, der eine Kapitaleinlage leistet, die in das Vermögen des Unternehmers übergeht. Der stille Gesellschafter wird am Unternehmensgewinn beteiligt, die Verlustbeteiligung und auch die Haftung kann vertraglich ausgeschlossen oder begrenzt werden.

Es handelt sich hierbei um eine reine Innengesellschaft, das bedeutet: Nach außen ist das Gesellschaftsverhältnis nicht sichtbar, wird also auch nicht in das Handelsregister eingetragen. Die Gründung der stillen Gesellschaft erfolgt durch formlosen Vertrag, kann also auch mündlich vereinbart werden.

Der stille Gesellschafter hat keinerlei Einfluss auf die Geschäftsführung, er ist jedoch berechtigt, die Bilanz und andere Unterlagen einzusehen. Der klare Vorteil einer stillen Gesellschaft gegenüber einer Kreditaufnahme: Während für einen Kredit unabhängig von der Gewinnsituation Zinsen anfallen, erhält der stille Gesellschafter nur bei positivem Ergebnis einen Anteil.

Personengesellschaften

Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR)
Die Gesellschaft bürgerlichen Rechts ist ein Zusammenschluss mehrerer Personen, die einen gemeinsamen Zweck verfolgen. Sie kann von Gewerbetreibenden oder Freiberuflern gegründet werden. Genau wie auch das Einzelunternehmen ist die GbR vergleichsweise unkompliziert und kann mit minimalem Aufwand gegründet und betrieben werden.

Die Gründung einer GbR ist formlos möglich. Dies bedeutet, dass weder ein schriftlicher Gesellschaftervertrag noch eine Eintragung in das Handelsregister notwendig sind. Der Abschluss eines schriftlichen Vertrages ist jedoch in jedem Fall empfehlenswert, wenn auf Grundlage einer GbR tatsächlich ein Gewerbe betrieben werden soll. Denn nur durch einen solchen Vertrag lässt sich sinnvoll und verbindlich regeln, welchem Gesellschafter welche Rechte und Pflichten zufallen sollen.

Ein gesetzlich festgelegtes Mindestkapital gibt es bei der GbR nicht. Die Gesellschafter sind lediglich gemäß § 705 BGB dazu verpflichtet, die vereinbarten Beträge zu zahlen. Einzige formelle Voraussetzung der GbR: Die Vor- und Zunamen von mindestens zwei Gesellschaftern müssen in der Namensgebung verwendet werden.

Die Gesellschafter einer GbR haften gesamtschuldnerisch und unbeschränkt mit dem gesamten Privat- und Geschäftsvermögen für die Verbindlichkeiten der Gesellschaft. Das bedeutet: Wird ein Gesellschafter in Anspruch genommen, so kann er von den anderen Gesellschaftern Ausgleich verlangen. Dieser Umstand kann im Gesellschaftsvertrag abweichend geregelt werden.
Was jedoch nicht geändert werden kann, ist die Haftung selbst: Früheren Bestrebungen, eine sogenannte „GbR mit beschränkter Haftung“ zu gründen, hat die Rechtsprechung eine klare Absage erteilt; die Haftung lässt sich nicht allgemein ausschließen. Allerdings kann eine Haftungsbegrenzung individualvertraglich mit dem jeweiligen Vertragspartner vereinbart werden.

Wichtig: Unter den bereits für Einzelunternehmen erläuterten Voraussetzungen zur Kaufmannseigenschaft ist auch für die GbR die Eintragung ins Handelsregister notwendig, sie stellt dann ein Handelsgewerbe dar. Eine solche als Handelsgewerbe betriebene GbR wird automatisch zur offenen Handelsgesellschaft (OHG)!

Vor- und Nachteile der GbR:
Der große Vorteil ist die unkomplizierte Gründung, Kosten und Aufwand sind minimal. Tatsächliche Nachteile hat eine GbR nur dann, wenn man sich auf die gesetzlichen Regelungen verlässt und keinen Gesellschaftsvertrag abschließt. Denn nur durch einen solchen Vertrag lassen sich die Rechte und Pflichten der Gesellschafter so regeln und aufteilen, dass die GbR im Innenverhältnis gut zu kontrollieren ist (durch vertragliche Regelungen der Geschäftsführungsbefugnisse) und nach außen sinnvoll auftreten kann (durch vertragliche Regelung der Vertretungsbefugnis). Wenn eine GbR als Gewerbebetrieb geführt werden soll, ist es daher immer sinnvoll, sich durch einen spezialisierten Rechtsanwalt beraten und betreuen zu lassen.

Offene Handelsgesellschaft (OHG)
Für die OHG gelten im Grundsatz die Ausführungen zur GbR. Allerdings mit einem gravierenden Unterschied: Die OHG steht nicht für Kleingewerbetreibende offen, sondern nur für Kaufleute, sie muss aus diesem Grunde zwingend ins Handelsregister eingetragen werden.

Ein weiterer Unterschied liegt in der Einzelvertretungsmacht des einzelnen Gesellschafters. Während bei der GbR – wenn nicht vertraglich abweichend geregelt – nur die Gesellschafter gemeinsam das Unternehmen vertreten dürfen, ist bei der OHG jeder einzelne Gesellschafter mit allen Rechten ausgestattet. Dies hat in der Praxis eine gravierende Konsequenz:
Wenn Sie mit anderen Personen eine OHG gründen wollen, dann sollte dies nur auf der Basis eines gewachsenen Vertrauensverhältnisses geschehen. Sie müssen sich verdeutlichen: Jeder Mitgesellschafter kann eigenständig Entscheidungen treffen und umsetzen, für die jedoch alle Gesellschafter gesamtschuldnerisch haften – mit Geschäfts- und Privatvermögen! Dieses persönliche Risiko jedes Gesellschafters wird jedoch mit einem sehr guten Image der OHG honoriert. Insbesondere Kreditinstitute erkennen die hohe persönliche Haftungsbereitschaft der OHG-Gesellschafter an.

Vor- und Nachteile der OHG: Die OHG ist zwar ein vollkaufmännisches Unternehmen, dafür aber in der Gründung immer noch relativ unkompliziert. Vor allem die große Freiheit bei der Gestaltung des Gesellschaftsvertrages ist ein großer Pluspunkt. Der größte Vorteil ist jedoch das hohe Ansehen, dass die OHG bei Kreditinstituten und Geschäftspartnern genießt, Resultat der hohen Haftungsbereitschaft der Gesellschafter einer OHG. Genau diese Haftung ist jedoch gleichzeitig der Hauptnachteil der OHG.

Kommanditgesellschaft
Die Kommanditgesellschaft (KG) ist eine der OHG verwandte Rechtsform, denn auch sie ist auf den Betrieb eines Handelsgewerbes gerichtet. Auch die KG ist ein Zusammenschluss von mindestens zwei Gesellschaftern. Sie bietet sich für all die Unternehmer an, die das Kapital anderer Partner benötigen, aber keinesfalls ihre unternehmerische Entscheidungsfreiheit einschränken lassen wollen. Damit ist die KG besonders gut geeignet für Familienunternehmen und mittelständische Betriebe.

Im Grundsatz haftet in der KG mindestens ein Gesellschafter persönlich und unbeschränkt (Komplementär) und mindestens ein Gesellschafter mit seiner im Gesellschaftsvertrag bestimmten Einlage (Kommanditist). Die Kommanditisten beteiligen sich jedoch nur finanziell an dem Unternehmen, sie sind zur Mitarbeit im Unternehmen weder berechtigt noch verpflichtet.

Die Gründung der KG gestaltet sich wie der OHG durch Gesellschaftsvertrag und Anmeldung zum Handelsregister. (Alle Gesellschafter, sowohl Komplementär als auch Kommanditist, müssen diese Anmeldung vornehmen!) Mindestkapital ist nicht vorgeschrieben, es muss lediglich innerhalb des Gesellschaftervertrages festgelegt werden, in welcher Höhe die Einlage erbracht werden sollen.

Wie schon festgestellt, ist in der KG nur der Komplementär zur Mitwirkung im Unternehmen berechtigt. Sind an der Gesellschaft mehrere Komplementäre beteiligt, so gilt bezüglich der Geschäftsführungs- und Vertretungsbefugnis das zur OHG Gesagte: Grundsätzlich ist jeder Komplementär zur Geschäftsführung und zur Vertretung der Gesellschaft berufen – jeder Komplementär kann ohne Mitwirkung der anderen wirksam im Namen der KG handeln. Von dieser Einzelvertretungsmacht kann im Gesellschaftsvertrag abgewichen werden. Die Kommanditisten haben lediglich Kontroll- und Einsichtsrechte, dürfen jedoch das Unternehmen keinesfalls nach außen vertreten.

Vor- und Nachteile der KG: Durch die Gründung einer KG wird eine breite Kapitalbasis geschaffen, indem durch die Kommanditisten Einlagen eingebracht werden. Der Komplementär hat damit die zur Führung des Unternehmens notwendigen Mittel, muss jedoch mit niemandem die Leitungsbefugnisse teilen. Nachteilig ist die unbeschränkte Haftung des Komplementärs, der auch bei der KG dem Gläubiger gegenüber mit Geschäfts- und Privatvermögen haftet!

Kapitalgesellschaften
Im Gegensatz zu den Personengesellschaften gründen sich Kapitalgesellschaften auf das Grundkapital der Gesellschaft, das bei der Gründung eingebracht wird. Die Gesellschafter haften nur mit diesem eingebrachten Kapital, nicht mit Ihrem Privatvermögen.

Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)
Die GmbH ist eine der beliebtesten Gesellschaftsformen für Franchisenehmer, da die Haftung auf die Einlage beschränkt ist. Sie ist allerdings mit wesentlich höherem Gründungsaufwand verbunden als die oben dargestellten Personengesellschaften.

Die Gründung einer GmbH erfolgt in mehreren Schritten: Zunächst entwirft ein Notar einen Gesellschaftervertrag, der sodann von den Gesellschaftern unterzeichnet wird. Nachdem der Notar das unterzeichnete Vertragsdokument beurkundet hat, erfolgt der Eintrag der GmbH ins Handelsregister.

Aus gutem Grund wird der Gesellschaftervertrag der GmbH von einem Notar entworfen: Es bestehen strenge Anforderungen, die an den Vertrag gestellt werden. Mindestanforderungen an den Gesellschaftervertrag sind:

  •  Firma und Sitz der Gesellschaft
  •  Gegenstand des Unternehmens
  •  Betrag des Stammkapitals (mindestens 25.000 Euro)
  •  Betrag, der von jedem Gesellschafter auf das Stammkapital zu leistenden  Einlage (Stammeinlage/mindestens 100 Euro pro Gesellschafter)
  •  Bei Sacheinlage (Kfz, Maschinen usw.): Beschreibung und Wert der     Sacheinlage. Außerdem: Sachgründungsbericht, in dem Umstände der  Sacheinlage näher begründet werden
  •  Name des Geschäftsführers

Die Haftung der GmbH ist zwar auf die Einlage beschränkt. Aber: Häufig verlangen Banken bei der Kreditaufnahme auch private Sicherheiten. Für solche Verbindlichkeiten, für die der Gesellschafter mit seinem privaten Vermögen gebürgt hat, haftet der Gesellschafter natürlich auch mit diesem privaten Vermögen.

Der oder die Geschäftsführer der GmbH muss/müssen nicht aus den Reihen der Gesellschafter kommen, die GmbH kann auch einen Geschäftsführer anstellen. Für den Franchisenehmer ist an dieser Stelle Vorsicht geboten:
Wenn er dauerhaft das Unternehmen leiten will, muss er sich zum Geschäftsführer bestellen lassen. Die Befugnisse des Geschäftsführers müssen genau festgelegt werden. Darüber hinaus sollten Sie stets mehr als 50 Prozent der Einlagen leisten, damit Sie nicht befürchten müssen, von anderen Gesellschaftern überstimmt zu werden.

Vor- und Nachteile der GmbH: Wie erwähnt, ist die Haftungsbeschränkung der GmbH ihr Hauptvorteil. Allerdings sollten Sie sich als Gründer nicht täuschen: Gerade bei jungen Unternehmen führt diese Haftungsbeschränkung oft zu Misstrauen der Geschäftspartner. Im Ergebnis fordern diese dann nicht selten die Absicherung Ihrer Forderungen durch persönliche Bürgschaften.

GmbH & Co. KG
Oben haben wir bereits die KG kennengelernt. Zur Erinnerung: Bei der KG haftet der Komplementär mit seinem Privatvermögen. Diesen Nachteil gibt es bei der GmbH & Co. KG nicht. Diese ist eine besondere Form der KG, mit dem Unterschied, dass der vollhaftende Komplementär hier eine GmbH ist. So kann der Komplementär seine Haftung beschränken.

Aus diesen Gründen empfiehlt sich die GmbH & Co. KG für alle Handelsunternehmen, die im Sinne einer breiten Kapitalbasis die Rechtsform einer KG wünschen, aber das hohe Haftungsrisiko des Komplentärs nicht eingehen wollen. Die Gründung der GmbH & Co. KG erfolgt durch einen Gesellschaftsvertrag zwischen der GmbH und den Kommanditisten. Sie muss zwingend in das Handelsregister eingetragen werden.

Die englische Limited
Ebenfalls zu den Kapitalgesellschaften zu zählen ist die englische Limited. Diese ist durch grundlegende Rechtsprechung des EuGH (der sich mit der europarechtlich verankerten Niederlassungsfreiheit auseinanderzusetzen hatte) auch in Deutschland als Rechtsform anerkannt. Auch Unternehmen, die ausschließlich in Deutschland tätig sind, können nunmehr als Limited ausgestaltet werden.

Die Limited wird seitdem als Alternative zur GmbH immer beliebter, da sie auf den ersten Blick gegenüber der GmbH nur Vorteile zu haben scheint. Es gibt Stimmen, die der GmbH ein baldiges Ende prognostizieren, da sie neben der Limited einfach nicht attraktiv genug sei. Doch solche Aussagen sollte man kritisch hinterfragen. Um es vorwegzunehmen: Es gibt auch einige
Nachteile der Limited, die man sich bei der anstehenden Entscheidung zu einer Rechtsform vor Augen führen sollte.

Die Gründung einer Limited gestaltet sich tatsächlich sehr viel einfacher als der vergleichsweise träge Gründungsprozess einer GmbH. Einer notariellen Beurkundung des Gesellschaftsvertrages bedarf es nicht, die Limited muss – eigentlich – auch nicht zum Handelsregister angemeldet werden. Es muss lediglich beim „Companies House“, dem zentralen englischen Gesellschaftsregister, ein Antrag auf Eintragung gestellt werden.

Der deutsche Gesellschafter einer Limited muss, auch wenn er keinerlei Berührungspunkte mit englischer Wirtschaft oder englischem Recht hat, in England ein „registered office“ unterhalten. Das geht problemlos, da die Unterhaltung des office und alle damit zusammenhängenden Dienstleistungen von professionellen Anbietern übernommen werden – allerdings lassen diese sich ihre Arbeit natürlich bezahlen, es entstehen also Kosten, die es in Ihrer Planung zu berücksichtigen gilt.

Allerdings ist damit eben doch noch nicht alles erledigt: Sie als deutscher Franchisenehmer müssen nämlich eine deutsche Zweigniederlassung zum Handelsregister anmelden. Im Ergebnis lässt sich also die Anmeldung zum deutschen Handelsregister, obwohl für die Limited selbst nicht erforderlich, doch nicht vermeiden. Der Aufwand ist eigentlich sogar höher, da sowohl in
England als auch in Deutschland Anmeldungen erfolgen müssen.

Als Hauptvorteil der Limited wird stets genannt, dass es keines Mindestkapitals zur Gründung bedürfe. Dies ist richtig. Im Gegensatz zur GmbH und deren Einlage in Höhe von 25.000 Euro ist das notwendige Stammkapital einer Limited zu vernachlässigen, bereits ein britisches Pfund reicht aus. Allerdings ist auch hier nicht alles Gold was glänzt: Die hohe Einlage einer GmbH ist nicht Selbstzweck, sondern dient dem Gläubigerschutz. Eine solche Schutzfunktion hat die geringe Einlage der Limited natürlich nicht, im englischen Recht werden die Interessen der Gläubiger auf andere Weise abgesichert, nämlich durch eine wesentlich stärkere Bindung des Gesellschaftsvermögens.
In der GmbH ist es relativ einfach, durch Ausschüttungen das erwirtschaftete Vermögen an die Gesellschafter fließen zu lassen. Die Limited ermöglicht dies nicht so einfach – erwirtschaftete Gewinne können erst nach Verrechnung mit Verlustvorträgen ausgeschüttet werden.

Worauf die in Deutschland werbenden Limited-Vermittler nur selten hinweisen:
Es herrschen auch für die Limited strenge Publizitätsvorschriften, das heißt: Jährlich muss ein Bericht der Direktoren, eine Bilanz, eine Gewinn- und Verlustrechnung und ein Testat eines Abschlussprüfers eingereicht werden. Hierfür gelten strenge Fristen, wenn sie nicht eingehalten werden, können Bußgelder verhängt werden, die bis zu 1.000 Pfund betragen können. Auch eine zwangsweise Löschung aus dem Gesellschaftsregister, verbunden mit der Übertragung des vorhandenen Vermögens auf die britische Krone, ist möglich.

Sehr problematisch ist die Frage der Haftung – denn hier ist nach wie vor streitig, ob im Haftungsfall nun englisches oder deutsches Recht zur Anwendung gelangt. Doch unabhängig vom anwendbaren Recht – es ist auf jeden Fall ein Trugschluss anzunehmen, mit einer Limited ließe sich die Haftung auf ein englisches Pfund beschränken. So ist es keinesfalls sicher, dass die deutschen Gerichte eine persönliche Haftungsbeschränkung des Gesellschafters und/oder Geschäftsführers anerkennen, wenn eine Unterkapitalisierung vorliegt. Genau wie das deutsche kennt auch das englische Recht eine Durchgriffshaftung des Geschäftsführers (bzw. bei der Limited des Direktors) im Falle schwerwiegenden Fehlverhaltens (misfeasance, wrongful trading oder fraudulent trading). Vor diesem Hintergrund der möglichen persönlichen Haftung stellt die minimale Kapitaleinlage der Limited nicht den großen Vorteil dar, als der sie gerne propagiert wird.

Vor- und Nachteile der Limited: Wer eine schnelle Gründung mit wenig Kapital sucht, für den bietet die Limited klare Vorteile. Man muss sich aber klar machen, dass man diese anfänglichen Erleichterungen mit Nachteilen erkauft, die einen später treffen können. Hierzu gehört an erster Stelle die Rechtsunsicherheit bezüglich der Limited. Bevor endgültig geklärt ist, wann welches Recht anwendbar ist, werden noch Jahre vergehen. Vorerst bleibt es dabei: Bei Streitigkeiten oder administrativen Problemen mit der Limited werden Sie oftmals einen englischen Rechtsberater einschalten müssen.

Unternehmergesellschaft/Mini-GmbH
Voraussichtlich wird im Spätherbst 2008 das Gesetz zur Modernisierung des GmbH-Rechts und zur Bekämpfung von Missbräuchen (MoMiG) in Kraft treten. § 5 GmbHG-A sieht eine sogenannte Unternehmergesellschaft vor, die mit einem Stammkapital von einem Euro gegründet werden kann. Sie muss die Bezeichnung „Unternehmergesesellschaft (Haftungsbeschränkung)“ oder „UG (haftungsbeschränkt)“ führen, um das geringe haftende Kapital im Rechtsverkehr deutlich zu machen. Bis zur Erhöhung des Stammkapitals auf mindestens 25.000 Euro, entsprechend einer „normalen“ GmbH, ist
die Unternehmergesellschaft verpflichtet, eine Rücklage zu bilden, in die jährlich ein Viertel des um einen etwaigen Verlustvortrag aus dem Vorjahr geminderten Jahresüberschuss eingestellt wird.

Ziel der Mini-GmbH ist es, eine Alternative zur englischen Limited zu schaffen. Hierzu werden auch die GmbH-Anteile flexibler gestückelt werden können als dies bei einer normalen GmbH der Fall ist. Die Teilung und Zusammenlegung von Geschäftsanteilen wird ebenfalls erleichtert.

Die Gründung eines Unternehmens soll nicht nur vereinfacht, sondern auch beschleunigt werden. Der Gang zum Notar kann möglicherweise gespart werden, indem man das von der Regierung entworfene Gründungsset für den Betrieb übernimmt. Allerdings ist Vorsicht geboten bei der Übernahme von Mustergesellschaftsverträgen. In vielen Fällen sollten diese an die individuellen Bedürfnisse der Unternehmensgründung durch entsprechenden rechtlichen Rat angepasst werden.

Sollte die Mini-GmbH kommen, kann sie eine günstige und effiziente Alternative für Existenzgründer bilden. Hier bleiben die Entwicklungen im Herbst 2008 abzuwarten.

Fazit
Nach alledem wird deutlich, dass Existenzgründern in Deutschland mannigfaltige Gestaltungsmöglichkeiten bei der Wahl der geeigneten Rechtsform zur Verfügung stehen. Haftungs- und steuerrechtliche Beweggründe mögen bei der Wahl genauso im Vordergrund stehen wie strategische Erwägungen im Hinblick auf geplantes Wachstum oder die Zahl der an den Unternehmen
zu beteiligenden Betreiber beziehungsweise Investoren. Die eigentliche Gründung bzw. Richtung insbesondere von Kapitalgesellschaften sollte sodann mit Hilfe professioneller Berater vorangetrieben werden.

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