Erfolgreich selbstständig

Warum Ratings der Unternehmen?

Rating stammt vom englischen Wort „to rate“ und bedeutet bewerten, schätzen oder klassifizieren. Das Substantiv „rate“ heißt auf Deutsch Kurs, Verhältniszahl oder Quote. Für Kreditinstitute bedeutet Rating eine Methode zur Einschätzung der Kreditwürdigkeit eines Unternehmens. Das Ziel besteht in der Gewinnung einer Aussage über die Fähigkeit des Schuldners zur vollständigen und fristgerechten Erfüllung seiner finanziellen Verpflichtungen. Für Unternehmen bedeutet das Rating die Ermittlung der Wahrscheinlichkeit des Kreditausfalls in einem definierten Zeitraum. Gegenstand des Ratings sind die Stärken und Schwächen, die Chancen und Risiken eines Unternehmens, die zur Entstehung oder Vermeidung von Unternehmensrisiken
führen können.

Wie Banken Ratings durchführen, soll im nächsten Hauptabschnitt beschrieben werden. Warum sich Unternehmen dem Rating unterwerfen müssen, wird im Folgenden erhellt. Rating steht in einem unmittelbaren Zusammenhang mit Basel II, oder genauer der neuen Baseler Eigenkapitalverordnung, die Ende 2006 in Kraft getreten ist. Banken haben eine volkswirtschaftliche Verpflichtung, Kredit-, Markt-, Liquiditäts- und anderen Risiken sorgfältig vorzubeugen. Die Risikovorsorge der Banken soll eine Solvenzgefährdung vermeiden und den volkswirtschaftlichen Finanzsektor stabilisieren.
Vorgänger von Basel II war Basel I aus dem Jahr 1988. Basel I sah ein Mindesteigenkapital für Banken als entscheidenden Faktor für die Eingrenzung von Verlusten im Insolvenzfall vor. Die Eigenkapitalanforderungen für Banken lagen bei acht Prozent. Anders ausgedrückt konnte eine Bank maximal das 12,5-fache ihres Eigenkapitals in Form von Kreditgeschäften ausreichen. Damit wurde das Eigenkapital zum wichtigsten Faktor für den möglichen Geschäftsumfang einer Bank. Das Eigenkapital der Banken darf für keinerlei weitere Geschäfte verwendet werden.

Mit Basel II werden die Eigenkapitalanforderungen flexibler gehandhabt und an das konkrete Risikogewicht für einen Kredit gebunden. Die Spannweite kann von Null bis einhundertfünfzig Prozent liegen. Das heißt, dass für das Ausreichen eines todsicheren Kredits mit 0 Prozent Ausfallrisiko kein Eigenkapital hinterlegt werden muss. Für einen kritischen Kredit müssen bis zu 150 Prozent der Standardeigenkapitalquote, die auch als Solvabilitätskoeffizient bezeichnet wird, hinterlegt werden. Das sind also bis zu zwölf Prozent zu hinterlegendes Eigenkapital. Damit reduziert sich das Kreditgeschäft auf das 8,3-fache des Eigenkapitals.

Beispiel: Warum die Bank sichere Kredite bevorzugt!
Bei notwendigen acht Prozent Eigenkapitalquote kann eine Bank mit angenommenen 100 Millionen Euro Eigenkapital ein Kreditvolumen von 1.250 Millionen Euro ausreichen. Bei höheren Risikogewichten und zwölf Prozent zu hinterlegendem Eigenkapital reduziert sich das mögliche Kreditvolumen auf 833 Millionen Euro. Damit wird deutlich, dass jede Bank sichere Kredite mit gutem Rating bevorzugen wird, weil ihr ansonsten Geschäftsvolumen entgeht. Den Zinsverlust aus dem entgangenen Geschäftsvolumen holt sich die Bank über höhere Zinssätze wieder zurück. Im ersten Fall mit acht Prozent Eigenkapital würde die Bank bei durchschnittlich sechs Prozent Zinsen 75 Millionen Euro Zinserträge erzielen. Im bezifferten Fall höheren Risikos müsste der Zinssatz auf neun Prozent erhöht werden, um das gleiche Zinsergebnis zu erzielen.

Geschäftsbanken sind keine Förderinstitute. Das schlechte Unternehmen wird durch höheren Zinssatz noch schlechter, sofern es noch einen Kredit bekommt. Dagegen wird ein gut geführtes Unternehmen mit niedrigem Zinssatz belohnt. Diese Situation führt dazu, nach alternativen Finanzierungsinstrumenten zu suchen.

Wie wird nun das Risikogewicht ermittelt? Dazu werden verschiedene Risikomessverfahren zugelassen (siehe Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht, Internationale Konvergenz der Kapitalmessung und Eigenkapitalanforderungen, Übersetzung der Deutschen Bundesbank, Juni 2004). Bei externen Ratings beträgt das Risikogewicht 20 Prozent für ein Rating AAA bis AA-, 100 Prozent für BBB+ bis BB-. Das Standardrisikogewicht für nicht geratete Unternehmen beträgt 100 Prozent. Damit wäre man wieder beim alten Standard von acht Prozent zu hinterlegendem Eigenkapital. Externe Ratings kosten Geld und sind nur durch anerkannte und beaufsichtigte Ratingagenturen durchzuführen. Derartige externe Ratings sind deshalb überwiegend für größere Unternehmen praktikabel. Für kleine und mittelständische Unternehmen kommt überwiegend das interne Bankenrating in Frage. Dieses interne Ratingverfahren der Banken muss abgenommen werden und wird regelmäßig überprüft.

Kredite an kleine Unternehmen mit einem Gesamtengagement von weniger als einer Million Euro können vereinfacht wie im privaten Retailgeschäft behandelt werden. Interessant ist auch, dass Gewerbeimmobilien als Sicherheiten mit mindestens 100 Prozent Risikogewicht bedacht werden, also keinesfalls zinssenkend wirken. Gewerbeimmobilien haben zwar einen Verkehrswert, aber oft findet kein Verkehr statt, das heißt, es fehlt an Kaufinteressenten.

Die Pflichten der Banken zur Einholung von Informationen und zur Aktualisierung sind wie folgt festgeschrieben: „Die Kreditnehmerratings und die geschäftsspezifischen Ratings sind mindestens einmal jährlich zu aktualisieren. Bestimmte Kredite … mit höherem Risiko … sind in kürzeren Abständen zu überprüfen. Darüber hinaus muss das Rating aktualisiert werden, wenn wesentliche neue Informationen über den Kreditnehmer oder das finanzierte Geschäft bekannt werden. … Die Bank muss über wirksame Verfahren verfügen, um die relevanten und wesentlichen Informationen über die finanziellen Verhältnisse eines Schuldners oder eines Geschäftes zu erhalten …“ (Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht, Internationale Konvergenz der Kapitalmessung und Eigenkapitalanforderungen, Übersetzung der Deutschen Bundesbank, Juni 2004, Seite 100).

Auch nach dem KWG § 18 wird eine regelmäßige Überprüfung gefordert und die Informationspflicht des Unternehmens festgeschrieben: „Ein Kreditinstitut darf einen Kredit, der insgesamt 750.000 Euro … überschreitet, nur gewähren, wenn es sich von dem Kreditnehmer die wirtschaftlichen Verhältnisse, insbesondere durch Vorlage der Jahresabschlüsse, offenlegen lässt. Das Kreditinstitut kann hiervon absehen, wenn das Verlangen nach Offenlegung im Hinblick auf die gestellten Sicherheiten oder auf die Mitverpflichteten offensichtlich unbegründet wäre. Das Kreditinstitut kann von der laufenden Offenlegung absehen, wenn … der Kredit durch Grundpfandrechte auf Wohneigentum … gesichert ist, … der Kredit vier Fünftel des Beleihungswerts des Pfandobjektes … nicht übersteigt und der Kreditnehmer die von ihm geschuldeten Zins- und Tilgungsleistungen störungsfrei erbringt.“

Diese für kleine und mittlere Unternehmen recht günstigen Grenzen, die eine stark vereinfachte Bearbeitung ermöglichen würden, werden aber von den Banken in Eigenregie und sehr vorsichtigem Agieren nach unten korrigiert, sodass auch für diese Unternehmen die Erfüllung der Informationspflichten zu einem wichtigen Kriterium bei der Kreditvergabe wird. Diese Informationspflicht wird meist in den Kreditverträgen vorgeschrieben.

Bei einem guten Bank-Kunden-Verhältnis stellen in der Regel Sparkassen und Volks-/Raiffeisenbanken die internen Ratingergebnisse zur Verfügung. Über Verbesserungspotenziale wird offen gesprochen. An dieser offenen Verfahrensweise sollte die eigene Bank gemessen werden. Auch Großbanken informieren von Fall zu Fall über die internen Ratingverfahren.

Für Kunden der Sparkassen und Volks-/Raiffeisenbanken gibt es auch aktuelle Informationen zum Ratingverfahren. Aus dem Deutschen Sparkassenverlag stammt die Software „Spartakus“, eine integrierte Erfolgs-, Finanz- und Bilanzplanung. Als ein Ergebnis werden die Ratingkennzahlen der Sparkassen für abgeschlossene Jahre und Planjahre ausgewiesen (siehe Sabine Schreiter, Stefan Blüm: Spartakus – Finanzplanung für Unternehmer, Deutscher Sparkassenverlag, Stuttgart 2005). Die weichen Ratingkriterien fehlen selbstverständlich in dieser Planungs-Software.

Die Zentralbank der Volksbanken Raiffeisenbanken WGZ-Bank hat ein Programm „MinD Managementinstrumente und Dialog“ entwickeln lassen, das als gefördertes wissenschaftliches Forschungsprojekt kostenlos für Kunden der Volks- und Raiffeisenbanken angeboten wird. Mithilfe der Anleitung durch die Software kann sich das Unternehmen selbstständig und effektiv anhand von Jahresabschlusskennzahlen und weichen Faktoren einschätzen. Die Ergebnisse werden in Form eines Stärken-Schwächen-Profils anschaulich dargestellt. Es lassen sich Maßnahmen zur Verbesserung im Unternehmen ableiten (siehe www.min-d.de/).

Ratingverfahren und Kennzahlen
Die Ratingverfahren der Sparkassen, Raiffeisenbanken und Volksbanken sowie der Großbanken unterscheiden sich selbstverständlich. In den Grundzügen stimmen sie aber überein, weil sie aus den gleichen Anforderungen herraus entstanden sind und aktuelle wirtschaftswissenschaftliche Grundlagen nutzen. Ratingverfahren gibt es schon länger. Sie wurden aber in den letzten Jahren deutlich weiterentwickelt und methodisch vervollkommnet. Diese Ratingverfahren sollen den Anforderungen der Bankenaufsicht genügen und helfen, die wirtschaftlichen Ziel des jeweiligen Kreditinstitutes umzusetzen. Das Ratingverfahren und die Ratingkennzahlen werden am Beispiel der Sparkassen-Finanzgruppe erläutert. Mit dem Rating soll für jeden Kunden der Sparkasse mittels mathematisch-statistischer Verfahren eine Aussage zur Bonität getroffen werden.

Die zentrale Frage beim Rating lautet:
Handelt es sich um ein rentables und stabiles Unternehmen oder gibt es eine erhöhte Ausfallwahrscheinlichkeit durch Insolvenzgefahr?

Das Ratingverfahren der Sparkassen-Finanzgruppe verwendet 18 Ratingklassen. Ein Unternehmen mit der Ratingklasse 1 verfügt über die beste Bonität und die geringste Ausfallwahrscheinlichkeit des Kredites. Die Ratingklasse 18 kennzeichnet zahlungsunfähige Unternehmen. Das Ratingverfahren wird etwas differenziert nach der Art des Unternehmens angewendet. Die Ratingschwerpunkte werden für Unternehmensgründer, Freiberufler, Handwerksbetriebe oder international tätige Industrieunternehmen schon unterschiedlich gesetzt. Das Ratingverfahren der Sparkassen-Finanzgruppe umfasst vier Stufen. Diese sind das Finanzrating, ein qualitatives Rating, Warnsignale der Bank und die Prüfung von Haftungsverbünden bei Unternehmensgruppen.

Das Ratingverfahren der Sparkassen-Finanzgruppe

  1. Finanzrating mit Kennzahlen zur Ertragslage, Vermögenslage und Finanzlage
  2. Qualitatives Rating mit guten Einflussmöglichkeiten des Unternehmens zur Verbesserung des Ratings
  3. Warnsignale wie beispielsweise Nichtzahlung von Darlehensraten, Kontoüberziehungen, Kontenpfändungen
  4. Haftungsverbünde bei Betriebsaufspaltungen, Unternehmensgruppen,Konzernstrukturen

Das Finanzrating wird aus den Jahresabschlüssen mit Bilanz sowie Gewinnund- Verlust-Rechnung abgeleitet. Für Freiberufler oder nicht buchführungspflichtige Unternehmen wird die Einnahmen-Überschuss-Rechnung herangezogen. Eine rückwirkende Einflussnahme der Unternehmen ist hier nicht möglich. Bei festliegenden Zahlen der Jahresabschlüsse können den Analysten der Banken durch Erläuterungen im Anhang oder Lageberichte Hinweise zur Bewertung gegeben werden. Es gilt deshalb von vornherein, Einfluss auf die Eckwerte einer Bilanz zu nehmen. Größte Aufmerksamkeit sollten Sie dabei der Eigenkapitalquote beimessen. Die einfachste Möglichkeit zur Erhöhung der Eigenkapitalquote bietet die Reduzierung der Bilanzsumme. Ein anschauliches Beispiel ist dafür in untenstehender Tabelle dargestellt.

Durch die Einführung des Factoring im Unternehmen mit Verkauf der Forderungen wurden der Forderungsbestand und damit die Bilanzsumme gesenkt. Die Eigenkapitalquote konnte allein mit dieser einfachen Maßnahme von 15 Prozent auf 20 Prozent verbessert werden. Ähnliche Wirkungen werden durch die Reduzierung des Anlagevermögens beispielsweise mit Leasing von Maschinen erreicht. Die wirtschaftliche Eigenkapitalquote ist die wichtigste Kennziffer zur Beurteilung der Stabilität des Unternehmens.

Kennzahlen zur Ertragslage sind Return on Investment (Gewinnbezogen auf das investierte Kapital), Rohertragsquote, Zinsaufwandsquote und Mietaufwandsquote (jeweils bezogen auf den Umsatz oder die Gesamtleistung des Unternehmens).

Aktiva
Anlagevermögen    650.000   65,0 %  650.000  86,7 %
Kundenforderungen    300.000   30,0 %    50.000    6,7 %
sonstiges Umlaufvermögen      50.000     5,0 %    50.000    6,7 %
Summe Aktiva 1.000.000 100,0 % 750.000 100,0 %



Passiva
Eigenkapital    150.000   15,0 %  150.000   20,0 %
kurzfristiges Fremdkapital    350.000   35,0 %  100.000   13,3 %
langfristiges Fremdkapital    500.000   50,0 %  500.000   66,7 %
Summe Passiva 1.000.000 100,0 %  750.000 100,0 %

Tabelle 1: Verbesserung der Eigenkapitalquote


Kennzahlen zur Vermögenslage sind die schon hervorgehobene wirtschaftliche Eigenkapitalquote, die Liquiditätskennzahl, die Lagerkennzahl, die Lagerdauer, die Kapitalbindung, die Fremdkapitalstruktur.

Kennzahlen zur Finanzlage sind die Cashflow-Kennzahlen 1 und 2, das dynamische Betriebsergebnis und die Kreditorenlaufzeit.

Beispiel: Mit besserer Bilanzstruktur weniger Zinsen zahlen
In einem größeren Handwerksunternehmen einer kritisch bewerteten Branche konnte durch zielstrebige Maßnahmen im Unternehmen und Veränderungen der Bilanzstruktur in einem Jahr eine Verbesserung von der Ratingklasse 11 auf die Ratingklasse 8 erreicht werden. Die Maßnahmen waren der Verkauf von nicht benötigtem Anlagevermögen, die Verwendung der Mittel zur Sondertilgung von Krediten, die Vorbereitung der Nachfolgeregelung und die Einführung eines Erfolgs- und Finanzcontrollings. Die Kreditwürdigkeit des Unternehmens wurde deutlich verbessert. Der Zinssatz der Kontokorrentkreditlinie reduzierte sich.

Zu den gut beeinflussbaren Faktoren beim qualitativen Rating zählen unter anderem die Realisierung einer Erfolgs- und Finanzplanung, eine saubere, vertragsgemäße Kontoführung, ein vorhandenes und gelebtes Controlling, eine vorhandene Nachfolgeregelung nicht erst ab Erreichen des Rentenalters, die Produkt- oder Dienstleistungsqualität.

Wie funktioniert Scoring für Privatkunden?
Scoring stammt vom englischen Wort „to score“. Das bedeutet zum einen einkerben – Wer wird hier gleich an Kerbholz denken? – zum anderen punkten, Punkte zählen. Nach Angaben der SCHUFA-Schutzgemeinschaft für Absatzfinanzierung als einer Gesellschaft zur Ermittlung von Scorings gibt der sogenannte Basisscore-Wert „die Wahrscheinlichkeit an, mit der ein Kunde einen Kredit termingerecht zurückzahlen bzw. seine Rechnungen vertragsgemäß begleichen wird“ (Schufa-Infoblatt I-EB-d von August 2007). Für die Berechnung dieser Wahrscheinlichkeit werden moderne mathematischstatistische Verfahren eingesetzt. Die Berechnungsmethoden werden unter Verschluss gehalten. Banken, Versandhäuser, Telefongesellschaften oder auch andere Lieferanten, bei denen Sie eine Verbindlichkeit eingehen, also auch Ware auf Rechnung kaufen, nutzen diese Angaben über Ihre Person, bevor Sie ein Geschäft mit Ihnen realisieren. Da kann man sich schon einmal wundern, wenn eine Lieferung nur über Vorkasse oder per Nachnahme erfolgt.

Beispiel: Überprüfen Sie Ihre eigenen Schufaangaben
Die Scoring-Verfahren sind nur so gut wie die zur Verfügung stehenden Basiszahlen über die konkrete Person. Was wird hier wie über Sie gesammelt? Sie können das ganz einfach erfahren, wenn Sie eine Online-Schufa-Auskunft unter „www.meineSCHUFA.de“ einholen. Das kostete im Test 7,80 Euro. Die meisten Angaben sind richtig. Werden Fehler gefunden, sollte Mitteilung an die SCHUFA erfolgen. Die SCHUFA setzt sich mit ihren Vertragspartnern in Verbindung und korrigiert die Fehler kurzfristig. Das führt meist zu einer Verbesserung des Basisscore-Wertes. In der Testauskunft waren noch veraltete Kreditkarten- und Telefonkontoangaben gespeichert. So hatte einer der großen Telefon- und DSL-Anbieter mit der Anfrage nach einem DSL-Komplettanschluss ein Service-Konto eingerichtet. Die Prüfung des Anbieters ergab, dass der DSL-Anschluss technisch nicht realisiert werden konnte. Das Service-Konto war selbst nach 18 Monaten noch in der Schufa-Auskunft aufgeführt. Über die Mitgliedschaft in einem Berufsverband war eine kostenlose Kreditkarte bestellt worden. Mit dem Ausscheiden aus dem Berufsverband war auch die Kreditkarte gekündigt worden, stand aber nach drei Jahren immer noch in der Auskunft. Diese alten und unrichtigen Daten können neue Anfragen behindern, den Scoring-Wert reduzieren und Zinssätze erhöhen. Deshalb sollten Sie insbesondere vor Kreditanfragen selbstständig eine Auskunft einholen und die SCHUFA auf Fehler hinweisen. Unnütze Versandhauskonten in der Schufa-Auskunft kann man vermeiden, indem man andere Zahlungsweisen wählt wie beispielsweise Vorkasse oder Kreditkarte.

Die SCHUFA aktualisiert ihre Angaben einmal je Quartal. Eine spannende Frage ist: Welche Daten speichert die SCHUFA eigentlich? Die Antwort gibt die SCHUFA auf der Rückseite ihrer Auskunftsschreiben, Stand 30.10.2006.

Welche Daten speichert die SCHUFA?

  • Personendaten wie Name, Vorname, Geburtsdatum, Geburtsort, Anschrift und frühere Anschriften. Diese Daten stammen aus Legitimationsprüfungen beispielsweise bei der Eröffnung eines Bankkontos, wenn der Ausweis kopiert wird.
  • Informationen über Aufnahmen und vertragsgemäße Durchführung von Geschäften wie Kredit- und Leasingverträgen, Kontoeröffnungen, Ausgabe von Kreditkarten, Telefon- und Mobilfunkverträgen, Versandhandelskonten, wenn auf Rechnung mit Zahlungsziel oder Ratenzahlung gekauft wird.
  • Angaben über nicht vertragsgemäße Realisierung von Geschäften und Kontomissbrauch.
  • Informationen aus öffentlichen Verzeichnissen wie eidesstattlichen Versicherungen und Verbraucher-Insolvenzverfahren.

Es ist nützlich zu wissen, dass auch Kreditanfragen erfasst und zwölf Monate gespeichert werden. Diese Angaben werden aber nur für zehn Tage in Auskünften weitergegeben. Wenn Sie jedoch innerhalb von zehn Tagen bei drei Banken wegen eines Baukredites anfragen, sind alle drei Anfragen erst einmal gespeichert! Die Regelfrist der Speicherung beträgt drei Jahre. Giro- und Kreditkartenkonten werden sofort nach deren Löschung aus den Daten entfernt.

Die Schutzgemeinschaft für Absatzfinanzierung SCHUFA bietet auf ihrer Internetseite allen Banken konkrete, auf sie zugeschnittene Scoring-Verfahren an. Diese speziellen Banken-Scorings setzen auf dem Basisscore-Wert auf, werden aber weiter geführt. Unter einem Banken-Scoring ist zu verstehen, dass für eine konkrete Kreditanfrage einer Person auf der Grundlage von Massendaten mit mathematisch-statistischen Verfahren eine Abschätzung des Ausfallrisikos berechnet wird.

Ist der Bank das Ausfallrisiko zu hoch, wird der Kredit abgelehnt. Liegt das Ausfallrisiko über den durchschnittlichen Werten, lässt sich die Bank das Risiko durch höhere Zinssätze finanzieren. Die SCHUFA wirbt auf ihrer Internetseite bei Banken damit, „dass sich der durchschnittliche Ertrag pro Kunde durch den zusätzlichen Einsatz unseres Schufa-Score bei der Kreditentscheidung von 207 Euro auf 229 Euro steigern lässt“. Einzelheiten des Scoring-Verfahrens werden nicht bekannt gegeben.

Kreditscoring wird als ein mathematisch-statistisches Verfahren von Kreditinstituten angewendet, um eine Risikoklassifizierung für private standardisierte Ratenkredite und Kleinkredite durchzuführen. Auch hierbei wird die Ausfallwahrscheinlichkeit des Kredites für eine konkrete Person berechnet. Derartige Raten- und Kleinkredite werden üblicherweise nicht besichert vergeben und ausschließlich auf die persönliche Bonität des Kreditnehmers oder der Kreditnehmer abgestellt. „Bonität“ stammt aus dem Lateinischen und wird schon im Brockhaus Konversations-Lexikon, 14. Auflage von 1894, 3. Band, Seite 286, als „Güte, juristisch Zahlungsfähigkeit des Schuldners“ beschrieben. Die Bank will mit mathematisch-statistischen Verfahren abschätzen, wie gut der Schuldner seinen Zahlungsverpflichtungen nachkommen wird. Das Problem besteht bei allen derartigen Verfahren darin, dass man Werte der Vergangenheit verwendet und in die Zukunft projiziert. Wie gut das zutrifft oder auch danebengehen kann, zeigen die Prognosen der Kreditinstitute zur Entwicklung der Börsenwerte.

Die standardisierte und schnelle Bearbeitung ist für die Kreditinstitute erforderlich, um die Bearbeitungskosten gering zu halten, aber trotzdem eine personenbezogene Entscheidung zu treffen. Dabei kann nur in einem geringen Maße die detaillierte Vermögenssituation des Kreditnehmers geklärt werden.

Für die Kreditentscheidung werden herangezogen:

Heutige Grundlagen für eine Kreditentscheidung der Bank

  • Scoring-Wert beispielsweise von der SCHUFA
  • persönliche Eigenschaften wie etwa der Beruf, Arbeitgeber, Familienstand, Kontoführung im eigenen Bankhaus
  • wirtschaftliche Verhältnisse wie verfügbares Einkommen sowie Vermögensverhältnisse, erwartete Ausgaben

Die erfassten Daten werden heute bei jeder Bank durch eine Punktbewertung standardisiert (Kreditscoring). Der Basisscore-Wert oder der spezifische Bankenscore- Wert der SCHUFA können als eine Grundlage verwendet werden. Bei eigenen Bankkunden kann auf Erfahrungen in der Kundenbeziehung zurückgegriffen werden. Der Kreditsachbearbeiter bereitet die Kreditwürdigkeitsentscheidung auch in traditioneller Form nach einem persönlichen Gespräch vor. Das persönliche Gespräch ergibt zwar nur eine subjektive und intuitive Beurteilung, liefert aber einen ganzheitlichen Eindruck. Deshalb ist auch in diesen privaten Fällen eine perfekte Vorbereitung des Bankgespräches erforderlich. Der Kreditsachbearbeiter sollte schon den guten Eindruck erhalten, dass der Antragsteller weiß, worum es geht, und in der Lage sein wird, die monatlichen Raten zu zahlen. Für die Banken bringt Scoring den Vorteil einer kostengünstigen und standardisierten Entscheidungsvorbereitung ohne größere subjektive Fehler.

In der Tagespresse wurden Anfang 2008 erste Testergebnisse einer Studie zum Scoring veröffentlicht, die durch den Bundesverband der Verbraucherzentralen beauftragt war (siehe Potsdamer Neuste Nachrichten vom 4.2.2008, Seite 17 – in Kooperation mit dem Tagesspiegel). So beantragte eine Testperson einen Kredit in Höhe von 100.000 Euro, für den mit Zinsen ab 4,5 Prozent geworben wurde. Im Kundengespräch erhielt er das konkrete Zinsangebot von deftigen elf Prozent, das nach Eingabe der relevanten Daten von der selbst überraschten Kreditsachbearbeiterin am Monitor abgelesen wurde. Die Banken sollen bis zu 150 Merkmale für das Scoring verwenden. Die Einzelperson ist nur bedingt interessant. Die Statistik zählt. Der Wohnort spielt eine wichtige Rolle, perfekte Kleidung zum Gespräch spielt keine Rolle. Wohnen viele Hartz-IV-Empfänger im Umfeld, sind die Kreditchancen wahrscheinlich schlechter.

Für private Raten- und Kleinkredite werden von einzelnen Banken derzeitig auch Online-Verfahren und Ausfallversicherungen angeboten. Im Test wurden für Kreditsummen von 25.000 Euro bei sieben Jahren Laufzeit effektive Jahreszinsen (hier werden auch Gebühren berücksichtigt) von 6,5 bis 10 Prozent ermittelt. Gleichzeitig lagen die niedrigsten Zinsen von Immobiliendarlehen bei 4,5 Prozent. Diese Immobiliendarlehen setzen aber immer den Grundschuldeintrag und damit verwertbare Sicherheiten voraus. Die Angebote per Internet sind auch vorläufig und ziehen die SCHUFA-Auskunft und ein Scoring noch nach sich.

Ausfallversicherungen, mit denen man den Kredit durch Einmalzahlung zu Beginn gegen beispielsweise Arbeitslosigkeit, Berufsunfähigkeit oder Tod versichern kann, befreien von einer Restschuld in kritischen Fällen. Diese Versicherung kann bei einem Ratenkredit von 25.000 Euro und sechs Jahren Laufzeit schon einmal 4.310 Euro kosten, also etwas mehr als 17 Prozent des Kreditbetrages. In einem Testfall trug diese Versicherung auch nicht zu einem geringeren Zinssatz bei. Sichtbar wird auch, dass die vielen verschiedenen Banken in immer größerer Vielfalt Kreditprodukte verkaufen wollen. Dabei sind Kosten und Gewinn mit Sicherheit gut kalkuliert. Es ist also in jedem Falle unerlässlich, gründlich zu vergleichen und auch das Kleingedruckte in den Verträgen sorgfältig zu prüfen.

 

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