Franchise-Geber Know-how

Der Stellenwert des Franchise-Handbuches

Von Mag. Waltraud Frauenhuber

Das Franchise-Handbuch - ein notwendiges Übel?!
Diese - unter Franchise-Gebern - oftmals vorherrschende Sichtweise verschleiert die Tatsache, dass das Franchise-Handbuch dazu beiträgt, den Erfolg eines Franchise-Systems zu sichern und zugleich als Indikator für die Seriosität eines Systems gilt. Darüber hinaus hat die mit 01.01.2000 von der EU-Kommission erlassene neue "Gruppenfreistellungsverordnung für vertikale Vertriebsbindungen" den Stellenwert des Handbuches zusätzlich erhöht.

Nachfolgend soll anhand von sechs Punkten die Bedeutung und Notwendigkeit zur Dokumentation eines Franchise-Systems im Handbuch herausgestellt werden. Das Franchise-Handbuch trägt bei zur:

  • 1. Optimierung des Konzeptes
  • 2. Erhöhung der Glaubwürdigkeit
  • 3. Präzisierung des Vertrages
  • 4. Aktualisierung des Konzeptes
  • 5. Übertragung des Know-hows
  • 6. Beweis der Seriosität


1. Optimierung des Konzeptes
Der Prozess der Perfektionierung eines Franchise-Systems ist niemals abgeschlossen. Die permanente Optimierung des Franchise-Konzeptes ist nur dann möglich, wenn die einzelnen Elemente - schriftlich/grafisch - ganz klar definiert sind und ihr Zusammenwirken deutlich ist. Daher ist die schriftliche Dokumentation eine unverzichtbare Voraussetzung sowohl für die Entwicklung des Geschäftskonzeptes und des Franchise-Konzeptes als auch für die permanente Regeneration.

2. Erhöhung der Glaubwürdigkeit
Das Franchise-Handbuch beschreibt in Wort und Bild die Marktsituation, den Geschäftstyp, die Wettbewerbsvorteile, Leistungs- und Informationsströme sowie die Spielregeln für eine reibungsarme Zusammenarbeit mit den Partnern. Ein sinnvoll gegliedertes Handbuch mit detaillierten Informationen in ansprechender grafischer Gestaltung erhöht so die "Wertigkeit" der immateriellen Leistungen und die Glaubwürdigkeit des Franchise-Gebers.

3. Präzisierung des Vertrages
Ein Franchise-System bedeutet eine umfassende Vernetzung von Franchise-Geber und Franchise-Nehmer in nahezu sämtlichen Funktionen des franchisierten Betriebes. Der Franchise-Vertrag bezieht sich daher überall dort, wo es um Details von Merkmalen und Verfahren geht, auf die Dokumentation im Franchise-Handbuch. Die entsprechenden Teile des Handbuches sind somit als eine "Vertiefung" des Vertrages anzusehen.

4. Aktualisierung des Konzeptes
Die Bedingungen des wirtschaftlichen Erfolges ändern sich permanent. Der Franchise-Geber ist daher gezwungen, das Konzept des Geschäftstyps (also des Angebots im Markt) sowie das Konzept des Kooperationssystems (Ausschöpfen von Synergiepotentialen) ständig zu überprüfen und an neue Gegebenheiten anzupassen.

5. Übertragung des Know-hows
Die Übertragung von Produkt- und Verfahrenswissen vom Franchise-Geber auf den Franchise-Nehmer gehört zu den Wesensmerkmalen eines Franchise-Systems. Während der Anfangsphase einer Franchise-Partnerschaft wird das Handbuch Punkt für Punkt durchgearbeitet und nimmt den Stellenwert einer "Gebrauchsanweisung" für den franchisierten Geschäftstyp und für das Kooperationssystem ein.

6. Beweis der Seriosität
Irgendwann einmal kann jeder Franchise-Geber in gerichtliche Auseinandersetzungen mit einem Franchise-Nehmer hineingezogen werden. Abgesehen von dem Beweis zugesagter Leistungen, bekommt das Handbuch in der Gerichtsverhandlung den Charakter eines Indikators für seriöses Franchising. Aus der Darstellung des speziellen Know-hows versucht der Richter dann abzuleiten, ob der Franchise-Geber dem Franchise-Nehmer wirklich etwas zu bieten hat oder ein substanzloses Leistungsversprechen abgab.

Zusammenfassend kann man sagen, dass das Handbuch ein Spiegelbild des Geschäftstyps und des Franchise-Systems ist. Verständlich wird so auch, warum das Handbuch nicht ohne eine intensive Mitwirkung des Franchise-Gebers erstellt werden kann. Allerdings hat der Franchise-Geber nicht immer die Zeit, um eine detaillierte Beschreibung anzufertigen (er ist in der Regel ein "Macher" und kein "Schreiber"), darum wird oftmals für die Formulierung und Gestaltung des Handbuchs ein Spezialist herangezogen.

Grundlage für die Entwicklung des Handbuchs sollte eine sehr detaillierte Gliederung sein. Sie ist vom Franchise-Spezialisten in einer Vorstufe auszuarbeiten. Typische Hauptpunkte sind beispielsweise: Franchising, Gebrauchsanweisung für das Handbuch, Leistungsprogramm, Markt, Kundenpotential und -struktur, Kundenanforderungen, Wettbewerb, Marketingkonzept, Geschäftstyp, Franchise-Konzeption, Systemzentrale, Corporate Design, Werbung, Verkaufsförderung, Verkauf, Lieferanten, Logistik, Informationssystem, Franchise-Service, System-Controlling, EDV, Kommunikation, Beratung und Betreuung.
Aus der Bündelung der Beiträge ergibt sich zunächst die inhaltliche Rohfassung, die sich dann Stück für Stück zu einem einheitlichen, kompakten und professionellen Franchise-Handbuch entwickelt.

Anzeigen
Systemempfehlung
Systemempfehlung
Systemempfehlung
Systemempfehlung
Systemempfehlung
Systemempfehlung
Systemempfehlung
Systemempfehlung