Erfolgreich selbstständig

von Robert Gadow

Alle Jahre wieder – mit Wirkung zum 01.07.2008 reagierte das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle mit der Änderung der Richtlinien über die Förderung von Unternehmensberatungen auf die dynamischen Entwicklungen und strukturellen Veränderungen am Markt. Von den Beschlussfassungen sind ebenso die Förderungen von Workshops sowie Informations- und Schulungsveranstaltungen betroffen. Die Kernziele, bestehende Wettbewerbsnachteile klein- und mittelständischer Unternehmen abzubauen und positiv auf die Beschäftigungspolitik einzuwirken, werden hierdurch weiter fokussiert. Davon abgeleitet soll auch das im Staatenvergleich unbefriedigende Gründerklima weiter verbessert werden – eine klare Richtungsweisung für Gründer, Unternehmen und Förderinstitute.

Lange wurde darüber spekuliert und vieles in der Wirtschaft deutete bereits zum Jahreswechsel darauf hin, dass nunmehr in fast periodischen Abständen die Entscheidungsträger des Bundes in Abstimmung mit den Richtlinien des europäischen Sozialfonds grundlegende Verfahren der Zuschussbeantragung und Förderung marktgerecht umstrukturierten. Besonders betroffen macht dort auf den ersten Blick die Aussage eines Wegfalls der Bezuschussung für Existenzgründungsberatungen. Doch hier geht es in erster Linie um eine Delegierung der Zuständigkeiten auf die Länder. So gibt es bereits in vielen Bundesländern unterschiedlich klingende doch zumindest im Grundsatz gleiche Förderprogramme. Gleich ist im Prinzip, dass bei Inanspruchnahme der unterschiedlichen Zuwendungen zuvor eine Antragstellung resp. Genehmigung erfolgen muss. Von der Art und Höhe der Förderung können beispielsweise in Bayern maximal 8.000 Euro mitfinanziert werden. Dies entspricht bei einem Tagessatz von 800 Euro maximal zehn Beratertage. Im Nachbarland Baden-Württemberg hingegen können fünf Beratertage bei einem Tageshonorar von maximal 740 Euro gefördert werden. Der Eigenanteil des Gründers beträgt hier 150 Euro pro Tag. Andere Länder wie Mecklenburg-Vorpommern oder Thüringen definieren Ihre Programme über „Bildungschecks“ oder „Existenzgründerpässe“. Sicherlich sind die unterschiedlichen Bemessungsgrundlagen und Vorgaben keine Vereinfachung im Vergleich zu den früheren einheitlichen Richtlinien, bei denen nach Abschluss der Beratung eine Antragstellung bzw. -bewilligung erfolgte. Aber der Vorteil liegt hier in der zusätzlichen Begutachtung des Gründungsvorhabens durch eine „weitere“ neutrale Instanz. So können jetzt im Vorfeld „Totgeburten“ oder besser gesagt nicht Erfolg versprechende Gründungsprojekte verstärkt vermieden werden. Genauer nachzulesen sind die einzelnen Länderprogramme auf dem Existenzgründungsportal des BMWi.
(www.existenzgruender.de)

Des Weiteren werden seit diesem Jahr von der Bafa Unternehmen und freiberuflich Tätige ab einem Jahr nach Gründung bei der Vermittlung externen Know-Hows verstärkt finanziell unterstützt. Da es nach oben hin keine „Altersgrenze“ gibt kann auch ein Unternehmen, das bereits seit Jahrzehnten am Markt ist, von dieser Regelung profitieren. Ausschlaggebend ist hierbei lediglich die Begriffsdefinition klein- und mittlerer Unternehmen der EU (Umsatz-, Bilanz- und Beschäftigungskriterien). Der Zuschuss unterscheidet sich je nach Bundesland – in den alten Bundesgebieten beträgt er 50 Prozent, in den neuen Bundesländern 75 Prozent. Das Land Berlin und der Regierungsbezirk Lüneburg bilden bei dieser Abgrenzung Ausnahmen - hier gelten 50 beziehungsweise 75 Prozent. Der maximale Fördersatz beträgt 1.500 Euro. Neben der allgemeinen Beratung können spezielle Beratungen wie beispielsweise Technologie-, Außenwirtschaft-, Kooperations- oder Qualitätsmanagementberatungen gefördert werden. Auch Themengebiete des Umwelt- und Arbeitsschutzes oder sogar die Einführung familienfreundlicher Maßnahmen in Unternehmen finden Berücksichtigung. Im Gegensatz zu der neuen Antragsstellung bei Gründungsprojekten bleibt es hier bei dem alten nachträglichen Verfahren, erst nach Beendigung der Beratung werden die Unterlagen bei den jeweiligen Leitstellen eingereicht.

Workshops, Leistungssteigerungs-, Existenzgründer- oder Inhouse – Seminare profitieren künftig von den Änderungen der neuen Schulungsrichtlinien. Gerade die Workshops, bei denen unter fachspezifischer Anleitung ein Businessplan erstellt oder optimiert wird, fallen jetzt unter diese Richtlinie. Die Teilnehmerzahl sollte hier zwischen vier und maximal sechs Teilnehmern liegen. Gründerseminare oder Schulungsveranstaltungen, die gezielte Einzelthemen der Existenzgründung ins Visier nehmen, sind ebenfalls förderfähig. Eine strikte Zielgruppenvorgabe entfällt, so dass in Zukunft auch „gestandene“ Unternehmer und Führungskräfte an diesen Seminaren teilnehmen können. Die thematische Ausweitung der Leistungssteigerungsseminare trägt dazu bei, die Inhalte solcher Veranstaltungen verstärkt auf die neuen Trendthemen am Markt anzupassen (Umwelt- & Arbeitsschutz, Generationenwandel, etc.). Mit den Inhouse-Seminaren wird die bislang geltende Überbetrieblichkeit der Veranstaltungen ausgehebelt – innerbetriebliche Schulungen, die einen nachweislichen Bezug zum Unternehmen haben und dabei das interne Know-how der Mitarbeiter verbessern, sind ab sofort förderfähig. Eine Abgrenzung zu nicht förderfähigen Themengebieten muss jedoch klar erkennbar sein. Über die Zuschusshöhe und über die genaue Antragsstellung informiert ausführlich das Online-Portal des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. (www.bafa.de)

Wie der Vergleich neuer zu alter Richtlinien zeigt, ist die Förderlandschaft in Deutschland durch diese Anpassungen und Veränderungen grundsätzlich heterogener geworden. Kritiker bemängeln durch die Verstärkung der dezentralen Entscheidungsbefugnisse allerdings die Grundsätze der Gleichbehandlung und nehmen in diesem Zusammenhang sogar die Worte ‚territoriale Diskriminierung’ in den Mund. Die Höhe der Förderung nicht länderabhängig zu machen, sondern anhand der Wirtschaftlichkeit des Einzelfalls festzulegen, erscheint Sinn zu machen. Doch der erhöhte bürokratische Aufwand und die mangelnde Transparenz der Bewertungsmaßstäbe würde eine schnelle und reibungslose Bearbeitung der Anträge unmöglich machen. Es ist jedoch mit Spannung zu erwarten, welche Anpassungen und Modifikationen im Zuge der weiteren Entwicklungen in der nächsten Zeit auf Unternehmen und Gründer zu kommen.

Robert Gadow
able exist
Unternehmens- & Franchiseberatung Gadow
Berliner Straße 140
Web: www.able-exist.de

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