Dr. Amelie Pohl's Praxis Kommentar

Alt(bewährt)e Werte und neue Franchise-Arten

Derzeit wird viel über soziales Franchising diskutiert. Sei es, dass verstärkt nicht nur auf Gewinnmaximierung in betriebswirtschaftlicher Sicht hingearbeitet, sondern auch anderen Werten mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird, als den monetären.

Da heißt es "Faire Partnerschaft und Durchhaltevermögen werden belohnt" (siehe Josef Graf, EFM Versicherungsmakler) oder "es geht um die ausgewogene Balance von Geben und Nehmen" (siehe Johannes Gutmann, Sonnentor). Frau Mag. Martius hat in der ersten Auflage ihres Buches ihre "Spielregeln des Fairplay Franchising" dargestellt und in ihrer zweiten Auflage neue Franchise-Strategien aufgezeigt.

Vielleicht haben Sie auch schon von Green Franchising, Social Franchising und Microfranchising gehört. Dabei geht es primär nicht um Gewinnsteigerung. Bei Green Franchising geht es um Nachhaltigkeit und ökologischer "Harmonie" mit den jeweiligen Ressourcen. Social Franchising fördert sozialen und gesellschaftlichenNutzen, beispielsweise durch die strukturierte Verbreitung von Non-Profit-Organisationen. Microfranchising bekämpft globale Armut.

Im Vergleich zum Fordismus - oder auch Fließbandkapitalismus genannt sowie zum Postfordismus im Sinne der freien Markwirtschaft sind diese neuen Strömungen im Franchising begrüßenswert.

Auch wenn in Franchise-Systemen die oben genannten neuen Franchise-Arten nicht zu jedem Franchise-System passen, ist es sicherlich möglich, mehr Partnerschaftlichkeit und gegenseitige Wertschätzung einzubringen oder auch nur teilweise die oben genannten Franchise-Arten umzusetzen (und damit positiv am Markt zu werben).

Wenn ich nun meinen rechtlichen Beitrag dazu geben darf, weise ich auf folgendes hin: Partnerschaftlichkeit hat auch ihre Grenzen in rechtlicher Sicht: insbesondere aufgrund des Kartellrechts. Wenn es infolge der Partnerschaftlichkeit innerhalb eines Franchise-Systems zu abgestimmten Verhaltensweisen kommt, die geeignet sind, den Handel zu beeinträchtigen oder zudem den Wettbewerb verhindert, einschränkt oder verfälscht, kann dies unangenehme Konsequenzen haben (Bußgelder, nichtige Vereinbarungen, etc.).

Eine unzulässig Vereinbarung zwischen Franchise-Geber und Franchise-Nehmernliegt bereits vor, wenn die Vertragspartner einen gemeinsamen Willen zum Ausdruck bringen, sich auf eine bestimmte Art am Markt zu verhalten, die den Wettbewerb in unzulässiger Weisebeschränkt. Weiterskönnen darunter auch unverbindliche Empfehlungen fallen, die dann einheitlich befolgt werden. Im Einzelfall ist immer zu prüfen, ob diese Vereinbarungen und Verhaltensweisen kartellrechtlich unbedenklich oder freigestellt sind.

Jedenfalls scheint es, als würde sich ein sogenannter werteorientierter Kapitalismus im Franchising entwickeln. Dies ist meiner Ansicht nach auch die logische Antwort darauf, dass die herkömmliche rein materielle Ausrichtung Unternehmen nicht erfolgreicher gemacht hat. Und da ein Franchise-System ein lebender Organismusist, der auch an derZufriedenheit der Vertragspartner gemessen wird, sollte die Auswirkung von wertebasierter Unterstützung nicht unterschätzt werden. Materielle mechanische Unterstützung ist kein Garant für erfolgreiches Unternehmertum. Auch Gewinnsteigerung ist nichtverbunden mit Steigerung der Zufriedenheit innerhalb eines Franchise-Systems. Franchise-Nehmer suchen einen gewissen Hafen der Sicherheit, der durch erprobte Franchise-Systeme gegeben sein kann. Langfristigkeit wird dabei geschätzt, nicht das schnelle Geld um jeden Preis.

Ich wünsche Ihnen einen Tag, an dem Sie Ihre Werte in Ihrem Franchise-System erkennen!

Dr. Amelie Pohl

PF&P Rechtsanwälte

pohl@pfp-legal.de

PS: Besuchen Sie mich zu meinem Vortrag am 4.4.2011 zum Thema "Expansion mit Franchising" in Wien. Anmeldung unter http://www.icc-austria.org

Stand Februar 2011

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